Frühstück bei Monsieur Henri ( L´étudiante et monsieur Henri) ab 21.07.16 im Kino

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https://youtu.be/usylt7zHikA
Published on 2016/06/08 by jsabot

Über „Frühstück bei Monsieur Henri“

Ein Mann und seine Routine – das sind zwei Dinge, die man nicht ausein- anderbringen sollte. Der ehemalige Buchhalter Monsieur Henri ist ein Mann mit einem besonders innigen Verhält- nis zu seiner Routine. Die Zeitung holen, einkaufen, im Park sitzen, jeden Sonn- tag mit den Familienresten essen – so läuft das. Seit dem Tod seiner Frau hält Henri Voizot es so und hat auf diesem Weg die erschütternde Leere seiner viel zu großen Pariser Altbauwohnung mit einer respektablen Anzahl an Ri- tualen eingerichtet. Davon ausge- nommen ist nur das Klavier, das seit seiner Frau niemand auch nur antip- pen durfte. Vor dem Alter und seinen biologischen Effekten können jedoch auch die Rituale nicht bewahren und so beschließt Henris Sohn Paul, eben- falls Buchhalter, seinem Vater ein wenig Gesellschaft aufzubrummen, denn die bringt Geld in die Kasse und kann außerdem ein Auge auf Henris Pillen-frequenz werfen.

Mit größtmöglichem Unwillen lässt Monsieur Henri die junge Constance ein Zimmer in seiner Wohnung be- ziehen und lässt keine Gelegenheit aus, ihr das Zusammenwohnen so madig wie möglich zu machen. Der Studentin Constance geht es wie so vielen jungen Menschen: kein Geld, keine Wohnung, keine Zukunft. Von Henris furchterregenden Anekdoten bei der Wohnungsbesichtigung lässt sich Constance indes nicht irritieren. Die junge Frau, die sich nichts so sehr wünscht wie die Unabhängigkeit von ihren Eltern, würde wohl auch Schlim- meres akzeptieren als einen muf gen Mitbewohner, der es sich an den Grenzen der Rüpelhaftigkeit gemütlich gemacht hat. Aber irgendwie sieht Mon- sieur Henri dann doch ein, dass seinem Sohn diese seltsame WG nicht mehr auszureden ist. Vor allem aber hat er eine Idee…

Noch weniger als Irritationen seiner Routine kann Monsieur Henri näm- lich seine Schwiegertochter Valerie leiden – in seinen Augen ein jesusver- liebtes, hochgradig langweiliges und vor allem unterbelichtetes Subjekt, das bei weitem nicht gut genug für seinen Sohn ist und deren Reproduktion ihm zum Glück – bis jetzt! – erspart blieb. Um das zu verhindern, verliebt sich Henri in die geniale Idee, Constance mit ihrer Geldnot ein wenig zu erpres- sen. Schafft sie es, seinem Sohn so lange schöne Augen zu machen, bis der seine Frau verlässt, darf sie drei Monate umsonst bei ihm wohnen. In ihrer Geld- und Wohnungsnot eiskalt erwischt, lässt sich Constance auf das merkwürdige Geschäft ein, nicht ohne Henri noch auf 6 Monate mietfrei hochzuhandeln.

Den Preis, den Monsieur Henri für die Hoffnung zahlen muss, seine Schwiegertochter in Kürze los zu sein, ist entsprechend hoch. Denn für ihn ist die Anwesenheit von Constance ungefähr so schwer auszuhalten wie die eines nörgelnden 5-Jährigen im Kartenlesesaal: sie isst im Wohnzimmer, trägt unerlaubt seine Pantoffeln, lässt Kleider und Fernsehmahlzeiten herumliegen – und, am schlimmsten von allem, sie spielt Klavier. Plötzlich sind wieder die Lieblingsstücke seiner Frau zu hören, die Henri schon längst in irgendeiner Vergangenheitskiste vergraben hatte.

Einen Schubser in Richtung Gegen- wart erlebt unterdessen Henris Sohn Paul, der sich wie jedermann in der lauwarmen Gemütlichkeit des Ehe- Alltags eingerichtet hat. Constance platziert beim gemeinsamen Sonn- tagsessen ein paar gut überlegte Nä- herungswerte und wirft Paul damit zielstrebig aus der Bahn. Schon bald interessiert der sich statt für Debitoren und Dosierungen für Diskotheken bzw. Clubs. Sein Interesse an Constance steigt rasant und ist bald deutlich grö- ßer als ihr lieb ist.

Bei aller Stichelei akzeptieren sich Constance und Henri bald zähne- knirschend als Komplizen. Constance zwingt sich zum Studieren, denn die Prüfungen muss sie bestehen, will sie nicht wieder erfolglos aufs Land zurück- kehren, um dort das Gemüsehändler- Erbe ihrer Eltern antreten zu müssen. Doch das Studieren liegt ihr nicht und der Prüfungsdruck noch weniger. Lie- ber möchte sie Klavier spielen und eigene Stücke komponieren, doch das hat Constance schon vor Jahren auf- gegeben. Trotz aller gut gepflegten Muffelei hat Henri eine ziemlich gute Nase, wenn es um verpasste Chancen und den Verlust von Wünschen geht. Schneller als es Constance lieb ist, wird Henri klar, dass seine Mitbewohnerin einen Weg eingeschlagen hat, den sie vielleicht bereuen wird. Und abermals macht sich Henri selbstständig, doch diesmal nicht, um die junge Dame so schnell wie möglich los zu werden.

Frühstück bei Monsieur Henri ab 21.07.16 im Kino!

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