3 Tage in Quiberon

Romy Schneider von ihrer bisher ehrlichsten Seite in „Trois jours à Quiberon“ (3 Tage in Quiberon)

1981 in der Bretagne. Die international berühmte Schauspielerin Romy Schneider (Marie Bäumer) verbringt in der kleinen französischen Hafenstadt Quiberon ihren Kuraufenthalt. An dem Ort, der eigentlich ihrer Erholung dienen soll, willigt der Weltstar einem letzten und noch nie dagewesenen Interview über ihr bisheriges Leben und ihre Karriere ein – und verabredet sich trotz zahlreicher negativer Erfahrungen mit „Stern“-Reporter Michael Jürgs (Robert Gwisdek) und Fotograf Robert Lebeck (Charly Hübner). Hilde Fritsch (Birgit Minichmayr), ihre beste Freundin aus Kindheitstagen, steht ihr dabei zur Seite. Doch das Zusammentreffen mit der deutschen Presse wird zum Spießrutenlauf und echten Belastungsprobe für Romy, die sich öffentlich mit ihren eigenen Unzulänglichkeiten, ihrem widersprüchlichem Wesen und ihrem Leidensdruck als Mutter und Schauspielerin auseinandersetzt. Ein psychologisches Katz- und Mausspiel zwischen ihr und den Journalisten beginnt – und dabei steht viel mehr als ein legendäres Interview auf dem Spiel…

Im Schatten von Sissi

Mit ihrem filterlosen Frauenportrait „Trois jours à Quiberon“ schuf die deutsch-französisch-iranische Regisseurin Emily Atef einen einfühlsamen Auszug aus dem Leben der tabletten- und alkoholsüchtigen Schauspielerin Romy Schneider, die insbesondere durch die Sissi-Kultverfilmung ab 1955 international berühmt und berüchtigt wurde. Der Film wirft 115 Minuten lang einen Blick auf die schmerzhaft zerbrechliche und vor allem höchst menschliche Seite einer Filmikone und führt seinen ZuschauerInnen vor Augen, was die meisten von uns nur erahnen können: Dass Erfolg nämlich nicht nur Segen, sondern auch Flucht zugleich sein kann. Es geht um den Preis, den man für eine Karriere bezahlt und die scheinbare Machtlosigkeit gegenüber der unsäglichen Boulevardpresse. Vor allem aber geht es um das kostbare Recht auf Selbstbestimmung.

Frauen in Grenzsituationen

Emily Atef wurde 1973 im Westteil Berlins geboren, hat eine Zeit lang in Los Angeles, Frankreich und London gelebt und später in Berlin ihr Regiestudium an der renommierten Deutsche Film- und Fernsehakademie Berlin (DFFB) abgeschlossen. In ihren Geschichten setzt sich die 45-Jährige häufig mit Frauen in Grenzsituationen auseinander – mit großem Erfolg! Bereits ihr erster Langfilm „Molly’s Way“ erhielt mehrere Auszeichnungen und wurde u.a. mit dem Förderpreis Deutscher Film für das beste Drehbuch auf dem Münchner Filmfest 2005 und dem Spezialjurypreis beim Festival Internacional de Cine de Mar del Plata prämiert. Ihre darauffolgenden Spielfilme „Das Fremde in mir“ und „Töte mich“ erhielten ebenfalls zahlreiche Preise.

Depression und Entzug

Atef drehte „Trois jours à Quiberon“ 2017 – in kunstvollem Schwarz-Weiß übrigens – ¬und besetzte die deutsche Schauspielerin Marie Bäumer als gebrochene, betrunkene Romy Schneider, der ihre seelischen Qualen und der Erfolgsdruck buchstäblich ins Gesicht geschrieben steht. Mit jeder Filmminute, in der sie mit ihrem Werdegang öffentlich abrechnet, wird auch im Kinosaal das Gefühl von Sehnsucht nach innerem Frieden und verdienter Ruhe immer stärker spürbar. Nicht nur Bäumer, sondern auch der Rest des Casts – darunter Birgit Minichmayr, Charly Hübner und Robert Gwisdek – zeichnet sich mit extremer Glaubwürdigkeit aus. Nicht zuletzt deswegen setzt einem der Film unglaublich zu.

Schonungslos ehrlich und mitfühlend

Es wird viel geraucht, gelacht, geweint und über das eigene Dasein philosophiert. Was am Ende dadurch entsteht, ist das einfühlsame Portrait eines vielschichtigen Filmstars, das nicht nur mit großartigen Schauspielern, sondern auch mit liebevoller Inszenierung und visueller Ästhetik glänzt. Der Film lief dieses Jahr im Berlinale-Wettbewerb als zweiter deutscher Beitrag in Koproduktion mit Österreich und Frankreich. Mein Fazit: Nahe, bewegend und unheimlich empfehlenswert!

• Regie und Buch: Emily Atef
• Schauspieler: Marie Bäumer, Birgit Minichmayr, Charly Hübner, Robert Gwisdek, Christopher Buchholz etc.
• Laufzeit : ca. 115 Min.

TROIS JOURS A QUIBERON (3 TAGE IN QUIEBERON) – ab 12. April 2018 im Kino.

Ein Beitrag von Vanessa Most

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