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HEREINSPAZIERT – Interview mit dem Dream-Team von „Monsieur Claude und seine Töchter“: Christian Clavier & Philippe de Chauveron

Nach „Monsieur Claude und seine Töchter“, ist „HEREINSPAZIERT“ der neuen Film vom erfolgreichen Regisseur Philippe de Chauveron mit dem französischen Star Christian Clavier in der Hauptrolle. Wir durften den Film bereits sehen und haben die beiden in München interviewt. Es ist glücklicherweise mehr eine Unterhaltung geworden als ein klassisches Interview. Wenn man 30 Minuten mit Christian Clavier verbringt bemerkt man sofort die Ausstrahlung, das Charisma und die Souveränität des französischen Kino-Stars.

Über deren Respekt gegenüber Deutschland, über die schwierige Beziehung mit der französischen Presse, die Liebe zu populären Komödien und ein Leben im London: Christian Clavier und Philippe de Chauveron haben uns alles (oder fast) erzählt, natürlich mit viel Humor Ehrlichkeit.

Sie wissen dass Sie seit dem Film „Monsieur Claude und seine Töchter“ in Deutschland sehr berühmt geworden sind! Was bedeutet für Sie Deutschland, neben Frankfurter Würsten und Clichés auf der einen Seite?

Christian Clavier: Ich habe einen sehr grosse Respekt vor Deutschland. Es ist für mich ein sehr wichtiges Land zu dem ich eine gute Beziehung habe und das ich durch verschiedene Angelegenheiten einigermaßen gut kenne.Ich habe auch viele deutsche Schauspieler als Freunde. Ich habe viel in Deutschland gedreht: wie für „Les Misérables“ oder „Napoleon“ z.B mit Alexandra Maria Lara. Ich habe damals Deutschland zusammen mit Gérard Depardieu kennengelernt als wir die Promo Tournée für Asterix und Obelix gemacht hatten. Ich liebe Deutschland und sein intelligentes Publikum, die Leute mögen Komödien.

Philippe de Chauveron: für mich es ist relativ neu, ich habe Deutschland durch das Abenteuer mit „Monsieur Claude und seine Töchter“ entdeckt und habe das Glück gehabt mit einem Filmverleih (NeueVisionen Filmverleih) zu arbeiten der stark an das Projekt geglaubt hat! Es war unglaublich – während der Premieren-Tour waren wir in riesigen Open Air Kinos mit 3000 Leuten und alle waren glücklich und tranken Bier. Es war auch für mich wichtig zu sehen dass so eine Thema auch im Ausland Erfolg haben kann.

Wußten Sie, während der Vorbereitungen des Film, schon wer die 2 Hauptrollen spielen würde?

Philippe de Chauveron: Ja, auf alle Fälle. Eigentlich haben wir schon über diesen Film während der Dreharbeit von „Monsieur Claude“ gesprochen, und es war für mich klar wer in dem Film spielen wird. Christian und Ary Abittan (hatten schon sofort zugesagt). Es ist mir wichtig begeistert von meinen Schauspielern zu sein und ich bin sofort ein grosser Fan von Ary Abittan geworden. Er ist einfach unglaublich!

Philippe, Ihre letzten 3 Filmen haben die gleichen Leitfäden gehabt: ein ernstes Thema mit der Familie im Hintergrund. Wieso?

Philippe de Chauveron: Familie? Ich funktioniere eigentlich nicht so! Was mich treibt ist das Thema an sich! Ich habe nicht gedacht, ich werde einen Film über die Romas oder über Leute mit Migrationshintergrund machen… nein was mich amüsiert, ist es die Geschichte an sich wie in „Monsieur Claude“. Die Auswahl der Romas als Hauptthema hat sich ergeben, wir haben am Anfang nicht gesagt wir machen ein Film über die Romas. Bis jetzt wurde diese Roma-Community noch nie im Kino in den Vordergrund gestellt.

Christian, Sie gehören zu den Stars in Frankreich die seit sehr langem im Geschäft sind. Könnten Sie sagen, dass Sie mit dieser jungen Clique aus dem Film „Monsieur Claude“ eine Art neue Kinofamilie gefunden haben? So wie damals mit „die Truppe der Splendide“?

Christian Clavier: Janein, ich würde sagen dass meine echte Familie nach wievor vor „die Truppe der Splendide“ (mit u.a Gérard Jugnot) bleibt. Aber es gibt eine unglaubliche Energie die aus dieser jungen Schauspielergeneration kommt. Sie wollen nur die Leute zum lachen bringen und haben Spaß am Leben, und Ja in diesem Sinne ist diese neue Generation mit uns damals vergleichbar.

In Frankreich ist die Presse sehr hart mit dem Film gewesen? Können Sie es verstehen oder teilweise nachvollziehen? Und vor allem warum mag die französische Presse solche „populären“ Komödien meistens nicht?

Philippe de Chauveron: erstmal muss man sagen, dass nicht alle Kritiken sind schlecht gewesen sind. Es scheint so zu sein, dass „populäre Komödien“ oft kritisiert und nicht seitens der Presse gemocht werden! Ich habe mich in Deutschland erkundigt, und es wurde mir gesagt dass Komödien wie „Fuck you Göthe“ auch von der Presse sehr hart kritisiert wurden obwohl es ein riesiger Erfolg war! Louis de Funes wurde auch damals zu seiner Zeit sehr kritisiert.

Wenn wir das Feedback der Presse in Frankreich sehen und es mit dem Feedback des Publikums vergleichen, hat man machmal das Gefühl man spricht von 2 verschieden Filmen?

Christian Clavier: Ja, auf alle Fälle. Es ist kein gesundes Spiel was sie da machen. Warum will man „populäre Komödien“ grundsätzlich kaputt machen? Dieser Teil der Presse (vor allem aus Paris) hasst diese Art von Filmen, es ist schwer zu verstehen aber es ist quasi ideologisch geworden!

Es hat damals mit Louis de Funes angefangen, dann ist es so mit uns (mit Splendide) weiter gegangen. Manche Feedbacks der Presse sind so hart dass es keiner mehr nachvollziehen kann. Es ist einer der Gründe warum ich nicht mehr in Frankreich wohne! Es hat mir gereicht, ich kann und will das nicht verstehen. Die fragen mich ob ich mit Nicolas Sarkozy befreundet bin? Es hat doch nichts über unseren Film zu sagen? Die Zeitung „Le Monde“ hat damals auch den Film „Monsieur Claude“ sehr hart kritisiert.

Man gibt dem Film somit doch keine Chance sich überhaupt zu beweisen?

Christian Clavier: Ja, genau dass ist das Problem mit der Presse in Frankreich, die müssen Schlagzeilen machen, ansonsten verkaufen sie nicht genug! Die Zeitung „Liberation“ verkauft zurzeit nur 40.000 Exemplare am Tag – quasi nichts – deshalb brauchen sie Schlagzeilen.

Christian, wissen Sie wie viele Interviews Sie schon in Ihrem Leben geführt haben, und wie empfinden Sie es? Haben Sie Spaß daran oder ist es etwas was Sie nie mochten?

Christian Clavier: im Ausland ist es unglaublich entspannt und sehr angenehm. Das Verhalten der Presse ist normal, wie es sein sollte. In Frankerich es ist ganz was anderes, und sehr unentspant. Es ist, nochmal, der Hauptgrund warum ich nicht mehr in Frankreich lebe.

Schauspieler zu sein, war für Sie immer was spezielles oder sehen Sie das als „normalen“ Job?

Christian Clavier: letztes Mal habe ich Gérard Depardieu im Interview gesehen und er meinte dass diese Métier unglaublich ist und dass es ihm viel zurückgegeben hat. Aber, gleichzeitig kann man sehr dumm und arrogant werden durch diesen Job, deshalb finde ich dass – nein – dieses Métier als Schauspieler ist nicht normal.

Wie kann man sich vor Größenwahn bei so einem Erfolg schützen?

Christian Clavier: für mich ist das Hauptproblem dieser Narzissmus bei manchen Schauspieler die sich super, mega toll finden. Die brauchen Feedback und Lob. Man braucht dafür ein bisschen Selbstkritik, und dann relativiert sich alles.

Philippe, Sie haben als Drehbuchautor angefangen. Wo haben Sie am meistens Spaß? Drehen oder schreiben?

Philippe de Chauveron: ich habe während der Dreharbeiten am meistens Spaß. Ich mag es mit Leuten zusammen zu sein. Schreiben ist manchmal nicht leicht und kann auch stressig werden. Während der Dreharbeiten, haben wir das Glück viel zu lachen und einfach viel Spaß miteinander zu haben. Es ist wichtig zu lachen, vor allem in Zeiten wo das Leben nicht immer einfach ist.

Haben Sie immer noch „Angst“ vor der Reaktion des Publikums, ob der Film erfolgreich sein wird oder nicht?

Christian Clavier: man muss die Meinung vom Publikum respektieren. Aber diese „Angst“ bzw. dieser Wille dass der Film erfolgreich wird, existiert bei mir nicht mehr. Als ich 40 war, war das für mich sehr wichtig, aktuell bin ich 65 und es ist nicht mehr wichtig, ansonsten wird man verrückt. Filme sind nicht immer erfolgreich, 80% der Filme sind nicht erfolgreich, deshalb ist es nicht gesund wenn man sich deshalb immer verrückt macht … ich bin jetzt sehr entspannt.

Philippe de Chauveron: bei mir ist es noch ein bisschen anders …. ich bin auch jünger! Das Problem mit Filmen ist, dass es sehr hart ist. Man arbeitet monate- vielleicht jahrelang an einem Film und innerhalb kurzer Zeit nach dem Kinostart ist quasi schon alles entschieden, der Film wird entweder Top oder Flop! Muss man es akzeptieren können. Ich hoffe, es wird mit dem Alter einfacher.

MERCI BEAUCOUP, es hat Spaß gemacht mit euch zu sprechen. Alles Gute für den Filmstart (Hereinspaziert ab 21. September 2017) & eine gute Zeit in München.

Das Interview wurde von Jérôme Sabot, in München (September 2017) auf Französisch geführt.

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