Vanessa_Most_Photo_Manuela Clemens

„Kino ist Fortbildung und Unterhaltung zugleich“ Wir stellen vor: Unsere Autorin Vanessa aus Berlin

Jungschauspielerin Vanessa Most aus Berlin schreibt seit kurzem für CineOnline.Net. Frankreich und Kino gehören zu ihren zwei großen Leidenschaften – und damit ist sie hier natürlich genau richtig. Drei Filmbewertungen (siehe „Belle de Jour“, „Plötzlich Papa“ und „Paris Barfuß“) hat sie schon für uns zu Papier bzw. Bildschirm gebracht. Zeit, unsere neue Co-Autorin mal etwas besser kennenzulernen! Wir haben ihr ein paar Fragen über ihre persönlichen Ambitionen gestellt:

Schön, dass du jetzt in unserem Team bist, Vanessa.

Merci beaucoup! Ich freu‘ mich ebenso und bin gespannt, welche aufregenden Filme auf mich warten!

Woher kommt Deine Begeisterung für französische Filme?

Welche Gründe gäbe es, sich NICHT für französische Filme zu begeistern? Mir fällt keiner ein! Frankreich hat ein starkes kulturelles Bewusstsein und das spiegelt sich meines Erachtens in der Qualität der französischen Filmindustrie wieder. Die Filme sind vielseitig, besitzen Charme, Witz und Bedeutung und verfolgen oft einen ganz eigenen Stil. Zahlen belegen, dass Kino in Frankreich ein wichtiger Bestandteil des öffentlichen Lebens ist. Zu Recht! Das ist für mich ein Zeichen von Wertschätzung und Respekt – zwei innere Haltungen, die diese Branche, meiner Meinung nach, auch verdient.

Du arbeitest eigentlich als Schauspielerin. Trägt das zu Deinem Interesse bei?

Absolut. Durch meinen Beruf beschäftige ich mich quasi täglich mit dem Medium Film und kenne nicht nur die Zuschauerperspektive, sondern auch die, des Filmemachens selbst. Entsprechend bleiben eine gewisse doppelte Faszination und ein intensiverer Blick darauf nicht aus. Kinobesuche sind für mich Fortbildung und Amüsement zugleich geworden – und zu einem festen Ritual inzwischen auch. Außerdem mag ich das Ambiente dort, inklusive dem unterschwelligen Popcorngeruch…

Welche Rolle spielt Frankreich in Deinem Leben?

Meine Affinität zu Frankreich entwickelte sich Schritt für Schritt. Mit 14 Jahren nahm ich an einem Schüleraustauschprogramm teil und verbrachte das erste Mal zwei Wochen in einer französischen Familie. Da wurde der Grundstein für mein enges Verhältnis zu Frankreich gelegt. Nach dem Abitur habe ich dann neun Monate bei Bordeaux gelebt und im Rahmen eines europäischen Freiwilligendienstes mit Kindern und Jugendlichen gearbeitet. In der Zeit hatte ich für mich eigentlich beschlossen, in Frankreich zu bleiben und auch deshalb später mein Studium an der Universität in Lyon abgeschlossen. Aber am Ende kommt alles ja doch immer anders. Also lebe ich gerade glücklich in Berlin – versuche aber mindestens einmal im Jahr nach Frankreich zu fahren und meine Freunde dort zu besuchen. Es ist wie eine zweite Heimat geworden. Und nachdem mich inzwischen einfach so viel damit verbindet, schlägt mein Herz ganz klar für beide Länder!

Wie bist du zu unserer Seite CineOnline.Net gekommen?

Dank eines Gewinnspiels. CineOnline.Net hat damals zwei Karten für den Film „Personal Shopper“ von Olivier Assayas mit Kristen Stewart in der Hauptrolle (inklusive Lars Eidinger an ihrer Seite) verlost – und ich war die glückliche Gewinnerin. Den Film habe ich dann kurz darauf in einem charmanten Programmkino gesehen – spezieller Stoff, aber absolut sehenswert – und von da an war ich natürlich treuer Fan der Seite. Wenige Wochen später hat mich die Schreiblust gepackt und ich hab‘ mich kurzerhand bei Jérôme als Co-Autorin angeboten. Filmrezensionen solcher Art sind mir noch aus meiner Praktikumszeit bei ARTE sehr vertraut und von daher bin ich nicht komplett unerfahren. Einen Testartikel später, war Jérôme überzeugt – gottseidank!

Gibt es einen Film, der dich in letzter Zeit besonders beeindruckt hat?

Erst kürzlich hat mich „Paris Barfuß“ (OT : Paris pieds nus) total geflashed: eine bunte Romantikkomödie über eine Irrfahrt durch die Stadt der Liebe. Ich bin ohne Erwartungen und auch etwas übermüdet in die Pressevorführung gegangen. Aber das Regie-Duo Fiona Gordon und Dominique Abel haben mich komplett – wie man so schön sagt – abgeholt und in eine andere Welt transportiert. Eine skurrile, liebevolle Welt voller Ästhetik, Slapstick und Charme. Der Film hat mich wirklich wunderbar unterhalten. Ich bin anschließend gut gelaunt und mit einem breiten Lächeln im Gesicht aus dem Kino spaziert.

Wie bewertest Du Filme? Strenges Auge oder nette Worte?

Wohl eher nette Worte. Ich bin (leider) sehr begeisterungsfähig und gewinne fast allen Filmen etwas Positives ab. Harsche Kritik wird man bei mir also nur in wirklichen Ausnahmefällen antreffen – wenn überhaupt! Wahrscheinlich verbirgt sich dahinter meine große Hochachtung vor Filmemachern und ihrer Courage, eigene Geschichten zu entwickeln, umzusetzen und schließlich einem Millionenpublikum furchtlos vorzuführen. So etwas inspiriert mich enorm – und motiviert mich letztlich auch dazu, die vorteilhaften Aspekte eines Films zu betrachten und in meinen Bewertungen dann auch entsprechend hervorzuheben.

Hast du eine Idee, warum das Kino als solches in Deutschland nicht so wahrgenommen wird wie in Frankreich?

Das ist eine gute Frage, die ich mir auch schon oft gestellt habe. Ich schätze, das hängt damit zusammen, dass Kino in Frankreich viel stärker als Kunstform und Bildungsauftrag aufgefasst wird. Man spricht dort nicht umsonst von der siebten Kunst. Entsprechend geht das allgemeine Verständnis weit über bloßes Entertainment hinaus. Französische Produktionen werden wohl vom Staat auch expliziter gefördert, somit hat die Kinoindustrie bessere Möglichkeiten, eine große Vielfalt an Filmen hervorzubringen – was sie ja auch tut! Das kulturelle Selbstverständnis Frankreichs spielt sicher auch eine entscheidende Rolle. Ebenso die Qualität und das Talent französischer Filmemacher – vor und hinter der Kamera – und die zahlreichen Filmfestivals, die es dort gibt. Vielleicht ist Frankreich aber auch einfach nur das kinobegeistertere Land…

… wie steht es im Vergleich dazu um den deutschen Film im eigenen Land?

Bei uns setzen sich überwiegend Hollywood-Blockbuster als Kassenschlager durch. Produktionen aus dem eigenen Land können sich oft nur mühsam behaupten. Das liegt wohl auch daran, dass Kino in Deutschland primär als Form der Unterhaltung verstanden und ausgelebt wird. Diese Vermutung liegt zumindest nahe. Aber die Zuversicht bleibt! Immerhin war 2016 ein Vorzeigejahr für deutsche Arthouse-Filme: „Toni Erdmann“ wurde für den Oscar nominiert und „Vor der Morgenröte“ über den Schriftsteller Stefan Zweig auf mehreren Festivals gezeigt. Bleibt zu hoffen, dass Deutschland in Sachen Kinokultur (weiterhin) dazulernt und sich vom Nachbarland und seiner ‚amour pour le cinéma‘ inspirieren lässt!

Ein paar abschließende Worte?

Ich sage Danke und freue mich sehr, künftig als Autorin für Euch und CineOnline.Net in den Kinosälen unterwegs zu sein. In diesem Sinne: It’s all about French Movies!

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