christopher buchholz interview

Interview mit CHRISTOPHER BUCHHOLZ, Festivalleiter Französische Filmtage Tübingen I Stuttgart

Die Französischen Filmtage Tübingen & Stuttgart finden vom 30.10. bis 06.11. statt. Es war für uns die Gelegenheit ein exklusives Interview mit dem Festivalleiter Christopher Buchholz, deutsch-französischer Schauspieler und Regisseur, zu führen. Christopher ist der Sohn von Horst (Hotte) Buchholz und der französischen Schauspielerin Myriam Buchholz Bru.

Das Interview wurde auf französisch durchgeführt, in Tübingen in den Büros des Festivals, wo ein ganzes Team von jungen Leuten Tag und Nacht daran arbeitet das 30. Festival vorzubereiten.

Das ist jetzt das 4. Jahr in Folge in dem Sie das Festival leiten! Somit können wir davon ausgehen das es Ihnen gefällt! Wie sind Sie zu dieser Position gekommen?

Christopher Buchholz : Es war ein kompletter Zufall. Unser Familienhaus war in die Schweiz und ich habe immer davon geträumt einen Festival Fantastique zu organisieren wo die Leute gleichzeitig Party machen könnten und Filme anschauen. Als Mitglied des AG Dok (Organisation für Autoren, Regisseure und Schauspieler in Deutschland), bekomme ich regelmäßig Newsletter, und einmal gab es dort ein Jobanzeige als Festivalleiter! Ich habe mich dann ganz normal drauf beworben und wurde demokratisch gewählt. Somit werde ich Deutschland immer dankbar sein weil ich durch diese Bewerbungsmethode eine reale Chance gehabt habe! Leider werden solche Jobs in Frankreich oder Italien über eine andere Schiene vergeben! Und natürlich hilft es da, dass ich selber auch Franzose bin! Seien wir ehrlich zu einander, die Franzosen haben lieber mit einem Franzosen zu tun als mit einem Deutschen. Meine Mutter hatte auch eine große Agentur für Schauspieler, deshalb habe ich einen privilegierten Kontakt zur Welt des Show-Business! Meine Vorgängerin ist 5 Jahre als Leiterin geblieben, ich möchte zwar keine 150 Jahren bleiben, aber ich fühle das ich noch viel zu tun habe. Man muss sich aber irgendwann erneuern und wissen das man aufhören muss, aber wissen Sie ich bin der glücklichste Mensch der Welt, ich sehe Filme, wir laden Regisseure und Schauspieler ein, und machen Party, es ist doch toll, oder?

Dieses Jahr ist ein Jubiläumsjahr mit dem 30. Festival. Wie haben Sie diese besondere Filmselektion vorbereitet ? Besuchen Sie die größten europäischen Festivals wie Cannes und Berlin z.B ?

Ja, genau, wir gehen nach Cannes natürlich und auch nach Berlin mit der Berlinale für Deutschland. Es gibt in Kanada ein kleines aber gutes Festival ”Les rendez-vous du cinéma québécois” und da kann man auch gute Filme entdecken. Und selbstverständlich für das afrikanisches Programm gehen wir nach Ouagadougou. Die Festivals von Florenz und Locarno sind leider zu spät für uns !

Wir müssen das europäisches Kino unterstützen und schützen, hier in Deutschland spricht man leider zu wenig über diese « exception culturelle » aus Frankreich. Dieses Jahr war es ein sehr großes Themen während des Cannes Festival, über die Vereinbarungen zwischen USA und Europa zu diskutieren und über die Kinoindustrie. Europa hat Frankreich als Vorbild zu diesen Thema. Es ist sehr Schade dass Deutschland und England sich für das amerikanische System entschieden haben. Dieses Jahr war auch sehr reich bzgl.  französischer Filme in Cannes, ich hatte irgendwie befürchtet dass die Filme „nur“ gut sein könnten und nicht exzellent, es ist aber zum Glück das Gegenteil.

Erzählen Sie uns ein bisschen was uns dieses Jahr erwartet ?

Wir planen wieder eine Super Master Class u.a mit Sólveig Anspach, sie ist wundervoll und gehört zu den jüngeren Regisseurinnen die sehr viel Talent haben. Viele Leute glauben immer noch dass man älter sein muß um ein guter Regisseur zu sein, vielleicht haben die meisten Leute noch die Regisseure aus der „Nouvelle Vague“ im Erinnerung! Es ist für mich besonders wichtig, neue Talente und junge Leute zu entdecken. Cinéconcerts und die Galaabende sind auch wieder da, dieses Jahr mit dem Film „Tabu“ und die live Musik von Christine Ott. Ich bin auch sehr stolz “ La nuit la plus“ court zu organisieren, die Nachts des Kurzfilmes vorzustellen, dieser wurde in Zusammenarbeit mit Unifrance organisiert. Vor allem wir werden ein Hommage an Souleymane Cissé haben mit Afrika als Highlight.

Das primäre Ziel des Festivals ist es das französische Kino stärker bekannt zu machen. Wie denken Sie über die Entwicklung des französischen Films in Deutschland, und was müsste man mehr oder anders tun?

Es ist ein schwieriges Thema! Das größte Problem ist dass die Leute keinen Direktzugang zu den Filmen haben… sie wissen meistens nicht wo sie die Filme anschauen können! Wo kann man Filme sehen? Ich würde sagen in den Festivals wie bei uns, aber wir müssen unbedingt die Erreichbarkeit verbessern! Man müsste öfters Regisseure und Schauspieler aus Frankreich direkt nach Deutschland einladen um über Ihre Filme zu reden, somit kann sich eine Diskussion entwickeln. Und die Deutsche Presse schreibt leider nicht mehr so viel wie früher über das Thema „Kino“ allgemein… Wir müssen wirklich dagegen kämpfen, nehmen Sie unser Festival als Beispiel, wir erhalten leider immer noch zu wenig Resonanz obwohl die Qualität der Filmen, und Gäste sehr gut ist.

Wissen Sie warum Kino für Frankreich so wichtig ist (genannt die 7. Kunst) und warum hat Kino einen anderen Platz im Herzen von den Deutschen?

In Frankreich sehen wir Kultur als etwas soziales. In Deutschland wird Kultur mehr als etwas Elitäres gesehen und wird auch so zum großen Teil gelebt! Die Kunst besteht aus Literatur, Theater und Oper. Die Oper ist in Deutschland zum Beispiel zu teuer, um den 100 Euro oder mehr pro Person und somit nicht für jeder zugänglich! Auf der andere Seite ist Theater in Deutschland mit der Volksbühne nicht so kreativ und somit kommt auch keine große begeisterte Publikum, man muss sich erneuern können, es ist sehr wichtig! Kino ist in Deutschland Synonym von „Entertainment“- wobei in Frankreich Kino mehr Teil der Gesellschaft ist! Das ist die Größte Unterschied zwischen unseren zwei Nachbarländern. Dennoch ist Kino doch super, oder? Es ist sehr einfach, man kann sich damit sehr gut identifizieren, da Kino meistens das Leben spiegelt. Es ist sehr simple sich über filme zu informieren, es ist nicht zu teuer, und man kann Trailer online anschauen. Durch Kino kann man sehr viel entdecken und im Frankreich wächst man mit Filme auf. Eine Frage wenn man mit seinen Kumpel ist , über was redest du? Kino, das essen, und Sex… manchmal auch ein bisschen über Politik! Kino ist das Leben, man kann lachen und weinen gleichzeitig!

Und als letzter Frage, haben Sie ein persönliches Projekt für nächstes Jahr neben des Festivals?

Ja, klar, falls ich es irgendwann schaffe, dann möchte ich eine Komödie über Vampire drehen. Ansonsten, habe ich ein Projekt als spielerischer in einem von Cihan Inan, ein Türko- Schweizer Regisseur!

Vielen Dank Christopher, und bis nächstes Jahr!

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